Programm:


"Alle Schnittmaßnahmen bedürfen einer Begründung!"


Eine Anleitung für die richtige Schnittführung kann der Natur entnommen werden.
Bei genauer Beobachtung zeigt sie uns die Grenzen und Möglichkeiten für die Baumpflege auf!

Totholzentfernung
Nicht immer notwendig!
Die natürliche Abwurfstelle eines Astes ist am Astring.
Dahinter besitzt der Baum Zonen, die durch die Einlagerung pilzwidriger Substanzen eine Fäule durch Pilze aufhalten können. Dieses haben die Bäume in den Jahrmillionen der Evolution gelernt! Der Astring muß deshalb erhalten bleiben!

Kronenpflegeschnitt
für die Wundheilung am besten in den Sommermonaten!


Bäume reagieren auf Verwundungen mit einer ganzen Reihe von "Wundheilungsprozessen". So werden im Holz, hinter der Wunde, in bestimmten Zonen pilzwidrige Substanzen eingelagert. Von den äußeren Rändern schließt sich die Wunde durch Überwallung. Diese Reaktionen laufen nur innerhalb der Vegetationszeit ab!
Kürzt man einzelne, überlange Äste eines Baumes im Sommer, so sind deshalb die Holzfäulen hinter den Wunden von geringerer Größe als im Winter!

Das Wasser und die Nährelemente aus dem Boden werden nach oben gesogen! Dieses bewerkstelligen die Blätter, an deren Oberflächen das Wasser verdunstet. Der dadurch erzeugte Unterdruck zieht die Wassersäulen in den Gefäßen nach oben.
Unter anderem darf deshalb ein Ast auch nicht gekappt werden, sondern muß auf einen Seitenast abgeleitet werden!
Die verbleibenden Blätter halten den Ast am Leben, damit der Baum weiterhin noch ein "Interesse" an ihm hat.

Der Kronenpflegeschnitt definiert sich wie folgt:
Unerwünschten Entwicklungen in der Krone (z.B. Überlängen von Ästen, Zwieselbildung) ist durch Auslichtung, überwiegend im Fein- und Schwachastbereich, vorzubeugen.
Tote, kranke, absterbende, sich kreuzende oder reibende Äste sind abzuschneiden, Aststummel zu entfernen. Straßenbäume sind dabei auf die Einhaltung des Lichtraumprofiles bzw. auf sonstige Auswirkungen und Erfordernisse des Baumumfeldes zu überprüfen und ggf. entsprechend zu schneiden. (Baukörper werden freigestellt).

(Die natürlichen Hierarchien der Äste zueinander müssen erhalten und gefördert werden)

Kroneneinkürzung
soweit für den Baum vertretbar!
Durch Ableitungsschnitte im Schwachholzbereich wird der Baum in seiner Kronenausdehnung um maximal 25 % zurückgenommen.

Es muß der Habitus, die arttypische, natürliche Gestalt erhalten bleiben!
Hier müssen ganz besonders die Hierarchien in der Verzweigung berücksichtigt werden!

Die Bäume vertragen eine Einkürzung verschieden gut oder schlecht!
Durch diese Schnittmaßnahme wird immer gravierend in die Verzweigungsstruktur und in das physiologische Gleichgewicht des Baumes eingegriffen!
Einem Baum wird man auf Dauer kaum das Bestreben nehmen können, seine arttypische Endgröße erreichen zu wollen, ohne ihn zu verkrüppeln!

Keine Kappungen!
Die Äste dürfen bis auf folgende Ausnahmen nicht gekappt werden:
Es ist manchmal sinnvoll alte Weiden und Pyramidenpappeln in der Stadt einzukürzen, um die von ihnen ausgehende Bruchgefahr zu verringern. Schneidet man diese Bäume allerdings um mehr als 1/4 der Höhe, so wird das Bruchrisiko in der Zukunft wesentlich gesteigert sein: Die Neuaustriebe sitzen dann an Faulstellen und haben große Hebellängen! Deswegen muß man einmal zu stark gekappte Bäume immer wieder zurückschneiden!
Muß ein Baum gefällt werden, so kann man sich überlegen, ob man nicht einen Rottestamm beläßt. Denn ein verfallener Baum ist selten geworden und er kann noch vielen Tieren und Pflanzen eine wertvolle Lebensgrundlage bieten!

Kronensicherungssysteme
Systeme: "Cobra" 2 To. und 4 To. oder "Crowntex" Gurte, "Gemini" Taue
Die einzelnen Äste und Stämmlinge einer Baumkrone stehen in gegenseitiger Konkurrenz. Es sollte ein Stamm dominieren und die Anderen zur Seite drängen!
Wenn sich aber zwei gleichstarke Stämme bilden, kann deren spitzwinkelige Vergabelung ein Bruchrisiko bedeuten!
Dann hat man die Probleme mit den sogenannten Zwieseln!.
Um das Bruchrisiko zu minimieren, gibt es speziell entwickelte Seilsysteme.
Auf etwa 2/3 der Baumhöhe eingebaut, fangen sie dynamisch die Schwerlasten bei Stürmen auf.
Dem Baum bleiben die normalen Lasten, um sich daran durch Dickenwachstum anzupassen. Denn Bäume organisieren ihr Dickenwachstum auch über die mechanischen Belastungen. Die Baumteile müssen im Training der statischen Belastungen bleiben!
Die Bäume werden nicht mehr durchbohrt, Gewindestangen als Anker von Stahlseilen werden nicht mehr eingesetzt!
Die eingesetzten Gurte umfassen das Baumteil nur und behindern nicht das Dickenwachstum!

Baumbegutachtungen
Sichtkontrolle der Baumstatik, Bestimmung von Schadenserregern,
Berücksichtigung der Pilz- Wirt Interaktion
Ein vollbelaubter, vitaler Baum muß nicht bruchsicher sein!
Auf der anderen Seite stellt ein absterbender Baum nicht gleich eine Gefahr dar!
Vitalität und Bruchsicherheit sind unterschiedliche Aspekte der Baumgesundheit!
Um die Bruchsicherheit von Bäumen zu beurteilen, bedarf es eines umfangreichen botanischen und physikalischen Wissens, sowie einer ausreichenden Praxis in der Baumpflege.
Über bestimmte äußere Anzeichen, z.B. an der Rinde, oder anhand der Formen der Baumteile und Art der Risse, lässt sich eine Belastungssituation des Baumes erschließen.
Nicht jeder Riss oder jede Aushöhlung ist gefährlich!

Bäume können sich durch entsprechendes Dickenwachstum an ihre mechanischen Belastungen anpassen. Sie wachsen vermehrt an Orten erhöhter Spannungen.
Treten holzzerstörende Pilze auf, sollte die Pilzart bestimmt werden. Das Wissen um die Art der Holzzerstörung, sowie über die Interaktionen von Pilz und Baum, ermöglicht das Einschätzen der Sicherheit geschädigter Bäume.

Kommt man damit nicht zu verwertbaren Aussagen, so müssen notfalls aufwendigere Methoden zur Feststellung der Restwandstärken herengezogen werden:
Man kann den Baum mit Hilfe von speziellen Meßinstumenten anbohren, um die Materialstärken zu ermitteln. Des weiteren kann man den Baum in Zugversuchen einer Belastungssituation aussetzen, um dann Dehnung und Neigung zu messen.
Bei den bohrenden Verfahren werden gerade die vom Baum gebildeten Abgrenzungszonen verletzt, mit denen er die Fäule einzugrenzen versucht! Der Zugversuch hingegen ist recht aufwendig: Hier werden neben der Ermittlung der Dehnung bei einer bestimmten Zugkraft, die auftretenden Windlasten und der Baum selbst wie ein Bauwerk ingenieursmäßig vermessen, um seine Bruchsicherheit zu berechnen. Die Kompliziertheit eines Baumes setzt diesem Verfahren allerdings auch die Grenzen!

Es geht darum, verantwortungsbewußt die Grenzen für den Erhalt eines Baumes auszuloten und nicht darum, einen Grund zum Fällen zu finden!

Baumsanierung
Sanierungsmaßnahmen beinhalten, wenn nötig, die oben aufgeführten Schnitt- und Sicherungsarbeiten.
Da die meisten devitalisierten Bäume unter widrigen Bodenverhältnissen leiden, ist eine Bodenverbesserung die wesentlichste Sanierungsmaßnahme!
Das Wasser und die meisten Nährelemente werden durch die Feinwurzeln aufgenommen. Diese Wurzeln leben nur wenige Tage und in Symbiose mit den Mycorrhizapilzen. Für das intensive Bodenleben wird sehr viel Sauerstoff benötigt.
Faulstellen werden wegen der Zerstörung baumeigener, pilzwidriger Abwehrzonen nicht mehr ausgefräst!

Baumfällungen
Großbaumfällungen auch an unzugänglichen Orten durch die Doppelseilklettertechnik
Wenn Bäume in der Stadt ein zu großes Bruchrisiko bergen oder abgestorben sind, müssen sie gefällt werden.
Mit Hilfe von Seilen, Winschen und Rollen ist es möglich, große und schwierige Bäume an unzugänglichen Orten präzise abzutragen.
Keine schweren Kräne oder Hubsteiger sind dafür von Nöten!

Es bedarf allerdings eines großen Wissens über die Sägevorgänge, Holzlasten und Materialeigenschaften der eingesetzten Werkzeuge.
Langjährige Erfahrungen und gute Lehrmeister sind bei dieser gefährlichen Arbeit unabdingbar!